kyoto-protokoll

One Year in Kyôto

Einleitung

Hallo!

Ich weiß ja nicht, ob das hier auch mal Leute lesen, die mich nicht kennen, aber da ich dies eigentlich schwer hoffe, schreibe ich hier einfach mal etwas über mich und warum ich beginnen werde, diesen Blog zu schreiben.

Viele Leute betrachten Blogs ja als Klowände des Computer-Zeitalters, wo blöde Leute blöde Dinge schreiben, die entweder in ihrer totalen Belanglosigkeit einfach ärgerlich sind oder noch schlimmer, einen mit Bedauern erfüllen, weil da einer meinte, seiner Persönlichkeit Ausdruck verleihen zu müssen und es im Interesse der Allgemeinheit lieber gelassen hätte.

Kann ich nun versprechen, es anders zu machen? Habe ich Erfahrungen zu bieten, die das Leben anderer bereichern können? Kann ich Gold machen? Oder wenigstens Schokolade?

Nein, ich fürchte nicht. Nein, ich denke nicht, dass das, was ich hier verzapfen werde, von allgemeinem Interesse ist. Ich hoffe nur, dass es vielleicht für eine kleine Gruppe interessant wird, denn ja, wie der Titel dieses Machwerkes schon dezent andeutet: ICH GEHE NACH JAPAN!! :-D

An dieser Stelle etwas zu meiner Person:

Meinereiner hat sich nach der Schule kurzerhand entschlossen, Japanologie, Kunstgeschichte und Philosophie zu studieren. Leider aus mehr profanen Gründen, denn nein, ich wusste nicht schon immer, was ich später mal werden will. Genauer gesagt weiß ich es immer noch nicht. Ich will viel und renne gern hysterisch zwischen Plänen herum, und ja, wäre ich ein Esel, würde ich zwischen den legendären Heuhaufen verhungern.

Kunstgeschichte erwies sich alsbald als mit mir inkompatibel und wurde im dritten Semester durch Geographie ersetzt, und die Begeisterung, mit der ich meiner Umgebung bald von diversen Gesteinen zu berichten wusste, deutete auf mehr Zukunft in diesem Fach hin.

Nun studiere ich also jetzt, im Sommersemester 2006 im 6. Semester an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität zu Bonn und bin trotzdem immer noch unsicher, wie man das genau schreibt. Denn ich will nicht leugnen, dass mein etwas legeres Verhältnis zur deutschen Orthographie ein Grund war, mich in ein völlig anderes Schriftsystem zu retten. ;-)

Da man aber doch leider einiges an Arbeit investieren muss, um sich im Japanischen auch nur ansatzweise heimisch zu fühlen, wurde uns armen, kleinen Studenten, kaum waren wir kulleräugig aus der Schule gewackelt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit entgegen gebrüllt, dass MAN GEFÄLLIGST SOFORT NACH DEM 4. SEMESTER NACH JAPAN ZU GEHEN UND DORT MINDESTENS EIN JAHR AUSZUHARREN HABE!!!!!!

Bei Wiederstand gegen dieses Dogma drohte ganz offensichtlich ewige Verdammnis. Also begann nach dem zweiten Semester, kaum, dass man sich auf dem Weg zu seiner Vorlesung nur noch einmal wöchentlich hemmungslos verirrte (bis ich alle Toiletten des Hauptgebäudes gefunden hatte, sollte noch mehr Zeit vergehen ; ), ein Bewerbungsmarathon, denn dieses Jahr selbst zu finanzieren und zu organisieren ist genauso grauselig wie es klingt. Nicht unmöglich zwar, aber zumindest unschön.

So kämpfte sich unsere kleine Gruppe von Helden, welche schon zusammen geschweißt war durch große Schlachten wie “Grammatik bei R.H.” oder vor allem das große Trauma “Japanisch III oder wie man das dritte Semester überlebt”, durch einen Dschungel von Formalitäten, in der Hoffnung, irgendwann ein Stipendium vom DAAD, dem Direktaustausch oder gar das wohlklingende Monbukagakusho-Stipendium in (imaginären) Händen halten zu dürfen und damit in Richtung des Sonnenaufgangs zu entschwinden. (Man verzeihe diesen Anflug von Kitsch, langsam werd ich müde)

Genaueres zum Ablauf wird sich alsbald in der Kategorie “Bewerbungsphase” finden, hier nur die Kurzfassung: Nachdem ich innerhalb von drei Semestern Massen von Formularen ausfüllte und beglaubigen lies, zweimal beim Daad antanzte und mich vor dem Monbukagakuscho drückte, führte schlussendlich der Gang zum Direktaustausch zum Erfolg und ich bekam am 2. Februar 2006 gegen 11:30 den Abberufungsbefehl an die ehrenwerte Universität von Kyôto, liebevoll Kyôdai genannt.
So werde ich voraussichtlich am 30. September um 15:15 von Frankfurt über Dubai über Osaka nach Kyôto reisen und dort hoffentlich ein Jahr überleben.

Also, warum blogge ich?

1. Möchte ich natürlich all meine Freunde über mein Leben im Exil auf dem laufenden halten

2. Möchte ich aber auch vllt zumindest einem eine klitzekleine Hilfe sein und drum sehr viel über das Wie eines Auslandsjahres schreiben, so was hätte ich nämlich ab und an verdammt gut brauchen können.

3. Rede ich einfach gern. ;-)

Soweit bis hierhin,

muss morgen früh raus und drum nun ins Bett,

bis dahin & Lg,

sasameyuki