Direktaustausch
Ist das DAAD Stipendium nun an einem vorbeigezogen (ein Schicksal, das uns fast alle ereilt), ist der nächste Schritt der Direktaustausch.
Was ist nun der Direktaustausch der Uni Bonn?
Beim Direktaustausch (wie der Name schon sagt
) werden zwischen einigen Unis pro Jahr eine bestimmte Zahl an Studenten getauscht. In Bonn wird dabei unterschieden zwischen dem “großen” und dem “kleinen” Direktaustausch, wobei diese Unterscheidung auf den “Wert” der jeweiligen Universitäten zurückzuführen ist. Ich habe von dieser Unterscheidung nie viel gehalten, da ich per se ein Statusfeind bin und außerdem nie nach Tokyo wollte, wo sich 2/3 der “großen” Unis befinden.
Und da kann man also hinkommen:
“Großer Austausch”: Waseda Universität & Keio Universität in Tokyo, die als die beiden prestigeträchtigsten privaten Universitäten Japans gelten, sowie die Kyoto Universität,
die als eine der besten staatlichen Universitäten gilt (natürlich meilenweit hier der Tokyo University)
“Kleiner Austausch”: Universität Kumamoto auf der sonnigen Süd-Insel Kyushu, Universität Shizuoka (studieren im Schatten des Fuji-san) und Seikei Universität in Tokyo.
In früheren, legendären Zeiten gab’s tatsächlich bei den Direktaustauschstipendien nicht “nur” den (gebührenfreien) Studienplatz, sondern tatsächlich auch noch Geld. Das ist allerdings stark geschrumpft, sodass jetzt nur noch für Waseda und Keio anständige finanzielle Unterstützung zu erwarten ist, die anderen müssen gucken wo sie bleiben und sich um ein paar kleinere Stipendien prügeln, die da ab und an noch auftauchen. Was es da gibt, variiert aber stark von Jahr zu Jahr.
Werlche Uni man nun bevorzugt, bleibt einem selbst überlassen (wobei das natürlich fremdbestimmt wird). Ich wollte schon immer nach Kyoto und habe mein Forschungsvorhaben so gebastelt, dass es quasi “zwingend” war, mich dahin zu schicken. Und es hat geklappt! *megafreu*
Natürlich ist die Erfahrung krass unterschiedlich, wenn man nach Tokyo oder Kumamoto geht. Aber beides kann eine super tolle Erfahrung sein, daher immer schön positiv bleiben, Japaner gibt’s da überall.
Und nun der Bewerbungsablauf:
Für den Direktaustausch muss man sich schon bewerben, BEVOR man das Ergebnis seiner (für Deutsche verpflichtenden) DAAD-Bewerbung kennt, und zwar ist da die Deadline so Mitte November.
Dazu muss das Forschungsvorhaben ins Englische übersetzt werden und es müssen ebenfalls englische Antragsformulare ausgefüllt werden, die allerdings deutlich weniger umfangreich sind als die vom DAAD.
Außerdem müssen natürlich schon wieder 2 Gutachten zur Person und ein Sprachgutachten beantragt werden, aber das kennt man dann ja schon. Und wieder UNBEDINGT alles dreifach bzw. vierfach einreichen!!!
Dann gibt man das also ab und wendet sich erstmal wieder dem DAAD zu, dessen Gottesurteil ja im Dezember gefällt wird. Nachdem man sich dann die Weihnachtsferien übererholen durfte, bekommen jene, welche nix vom DAAD gekriegt haben, in der Woche nach Unibeginn dann die Einladung zum Gespräch beim Direktaustausch, das so circa 1-2 Wochen später stattfindet.
Dieses Gespräch kann sehr verschieden laufen, da es von den Dozenten des Japanologischen Seminars durchgeführt wird. Wenn man sich mit denen gut versteht, ist alles super, aber manchmal gibt es natürlich zwischenmenschliche Inkompatiblität….
Allerdings kann man hier den Charakter der einzelnen Dozenten vorher quasi erforschen und eine positive Beziehung aufbauen, immer brav sein und auch mit seinem Forschungsvorhaben mal die Runde durch die diversen Sprechstunden zu drehen schadet sicher nicht, dann kann man eventuelle Kritikpunkte noch ausbügeln.
Dann heisst es weitere 2 qualvolle Wochen abwarten, bis die Entscheidung über den “Großen” Austausch bekannt gegeben wird. Aus mir nicht ganz klaren Gründen dauert die Entscheidung über den “Kleinen” noch einen Monat länger.