kyoto-protokoll

One Year in Kyôto

DAAD

In der Bonner Japanologie herrscht die Pflicht, sich zuerst beim DAAD bewerben zu müssen, bevor man überhaupt für ein Direktaustauschstipendium in Betracht gezogen wird, d.h. alle Stipendiaten des Direktaustausches sind vom DAAD abgelehnt worden. Ausnahmen sind allerdings Studierende, die keinen Deutschen Staatsbürger sind, da sich naturgemäß beim DAAD nur Deutsche Staatsangehörige bewerben können.

Diese Regelung hat zwei Gründe:

  1. Sollen die Studenten natürlich motiviert werden, sich auch dort zu bewerben und sich nicht vor der Papierflut abschrecken zu lassen. So sollen möglichst vielen Studenten ein Stipendium ermöglicht werden, außerdem macht es sich gut für’s Seminar, viele Stipendiaten hervorzubringen.
  2. Beim DAAD gibt es ein Gesamtvolumen an Stipendien. Diese werden je nach Bewerberzahlen auf die einzelnen Länder verteilt. D.h. je mehr Leute sich für ein Stipendium bewerben, desto höher ist die Anzahl an Stipendien, die für dieses Land vergeben werden.

Diese Regelung ist also sicher sinnvoll. Leider ist es anscheinend in letzter Zeit so, dass die Anzahl an Stipendien drastisch gekürzt wurde. Drangen aus höheren Semestern noch Gerüchte von satten 4 Stipendien pro Bewerbungsphase durch, ist das entweder stark gekürzt worden oder die Studenten der Uni Bonn sind einfach exorbitant dümmer geworden. ;-)

Ich kann von drei Bewerbungsphasen berichten, die ich quasi miterlebt habe:

  1. September 2004 –> ca. 40 haben sich beworben, 8 wurden zum Gespräch eingeladen, nur einer wurde genommen.
  2. März 2005 –> Da hab ich mich nicht beworben, weiß also nichts genaues, weiß aber wieder nur von einem erfolgreichen Kandidaten
  3. September 2005 –> Wohl nur so 30 Bewerber aus Bonn, angenommen wurde kein einziger.

Man sieht also, schon rein mathematisch sind die Chancen sehr schlecht. Und allgemein kann man nur immer wieder sagen: Ein Stipendium vom DAAD ist einfach Glück. Natürlich verdienen alle, die eins kriegen, dass vollauf, zumindest jene, die ich kenne. :)

Aber das bedeutet nicht, dass die, die keins kriegen, irgendwie schlechter sind. Im Gegenteil, ich kenne Leute, die da abgelehnt worden sind, mit tollen Noten, einem super Lebenslauf und einem coolen Forschungsvorhaben.

Aber nun erst mal zum Ablauf der ganzen Geschichte:

  1. So ab Juni/Juli sollte man sich langsam mal Gedanken über das Sahnestück der Bewerbung, das Forschungsvorhaben, Gedanken machen. Dieses soll so etwa 5 Seiten lang sein, plus Inhaltsverzeichnis, Deckblatt und Literaturangabe.
    Unbedingt zu beachten ist, dass das Forschungsvorhaben einen engen Bezug zum Nebenfach haben sollte, so interessant etwas anderes auch sein mag. Des weiteren ist es wichtig, dass man glaubhaft versichern können sollte, dass man die ganze Geschichte auch umsetzen kann. Leider ist es so, dass man bei seinem Thema auch voll daneben hauen kann, ohne einen Fehler gemacht zu haben. Denn die Kommission, die das Bewerbungsgespräch führt, besteht keinesfalls aus Japanologen, sondern man kann dort auf Dozenten aller Fachrichtungen treffen. Nun ist es einfach so, dass eine Kommission, die nur aus Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern besteht, ein geisteswissenschaftliches Thema als überflüssig empfinden kann, während eine geisteswissenschaftliche Kommission ein juristisches Thema langweilig finden könnte. Wie gesagt, alles Glückssache.
  2. Es gibt jede Menge Papiere zu organisieren: Lebenslauf schreiben (wo’s nicht beweisbar ist, ruhig übertreiben ;) ), Notenaufstellung besorgen und gegebenenfalls beglaubigen lassen, einen guten Tag für Fotos erwischen, Gutachten beantragen (2 Stück, mind. eins von den Japanologen (da einfach formlos bei Abgabe der Bewerbungsunterlagen beantragen) und eventuell noch eines aus dem Nebenfach (hier rechtzeitig beantragen, Dozenten sind vielbeschäftigt)) Das alles schön rechtzeitig machen, so vermeidet man Stress.
  3. Bewerbungsunterlagen ausfüllen. Vorsicht, dauert lange, und wird aktuell online und per Papierversion gemacht.
  4. Alles zusammenpacken und rechtzeitig abgeben. : )
  5. Warten, warten, warten.
  6. So ca. Ende November kommen die bösen Tage der Briefe. Die Einladungen zum Gespräch und die Ablehnungen werden getrennt verschickt, wobei sadistischer Weise schwankt, was zuerst kommt. Meist liegen 1 bis 2 Tage dazwischen.
  7. Ca. eine Woche nach den Briefen ist dann das Vorstellungsgespräch. Wir Bonner sollten der Vorteil nutzen, die Strecke zum DAAD Hauptgebäude mal abzulaufen, es ist sehr beruhigend am Tag des Gespräches den Weg sicher zu kennen. Auf jeden Fall sollte man früh da sein, um die Leute, die vor einem dran waren, ausquetschen zu können. Dann kann man sich zumindest auf die grobe Richtung der Dozenten einstellen.
  8. Das Gespräch an sich läuft so: Wenn man reinkommt, sitzen da Berge von Menschen: 3-4 Professoren, 2 Leute vom DAAD und ein Mensch von der japanischen Botschaft. Was gefragt wird, hängt extrem von den Leuten ab und kann kaum vorhergesagt werden. Im WS 2005 waren die Gruppen geteilt in Leute, die nichts auf Japanisch gefragt wurden und solchen, die da durch mussten. Beliebte fragen, wenn es einen erwischt sind “Haben sie Japanische Literatur benutzt?” und “Können sie, wenn sie ein Lexikon benutzen, eine Zeitung lesen?”
  9. Dann heißt es wieder warten und nach etwa zwei Wochen ist die Qual vorbei und man bekommt irgendeine Antwort. Da gibt es vier Möglichkeiten:
  1. Zusage! Zusage! ZUSAGE!!!!!
  2. Absage……….*heul*
  3. Mittelding (hat mich beim ersten Mal erwischt): Ein netter “Hey, wir finden Dich toll, aber geben Dir kein Geld sondern setzen Dich auf die Nachrückliste”-Brief. Aber seien wir ehrlich: Wer lehnt das schon ab??
  4. Nach einer Absage oder als Nachrückkandidat kann man noch irgendwann nach einem Monat oder so die Nachricht bekommen, dass man vom DAAD für das Mobukagakusho vorgeschlagen wurde. Dazu schreib ich auch noch was, aber jetzt grad nicht. ;-)

So, das war’s erstmal, ich schraub aber noch was an diesem Posting rum, versprochen ;-)