kyoto-protokoll

One Year in Kyôto

Shizuoka no Shûmatsu

Filed under: Reiseberichte, Himmelhochjauchzend — 7 March, 2007 @ 11:45 am

Wie gesagt bin ich letztes Wochenende endlich nach Shizuoka gedüst, um Gudrun und die anderen Bonner zu besuchen. Shizuoka hat sich voll zum Pilgerziel für uns Kyotoer entwickelt, da wir eben alle unsere Leute da besuchen wollen. Ist trotzdem ganz lustig in der Diskussion. Wo willst Du noch hin? Tokyo? Nara? Ise? Ach was, ICH will erst mal nach Shizuoka!

Anreise war problemlos. Japan ist mit einem ganz gut ausgebauten Netz on Highway Buslinien ausgestattet, die einen über Nacht ans Ziel bringen. Also bin ich letzten Montag zum Bahnhof gefahren, um die Karte zu kaufen. Diese Gelegenheit habe ich dann auch direkt genutzt (bin da nicht oft weil weit) um mich bei Subway mit meinem geliebten Chicken Teriyaki voll zu stopfen, das ich jetzt schon 5 Monate vermisse. Erschreckender Weise gibt es ja in Kyoto nur einen einzigen Subway, was für uns verwöhnte Bonner (wir haben drei!) ein echter Schock ist.

Interessanter Weise sind die Zutaten hier anders, primär fetter. Außerdem gibt es extra Sachen wie Tamago (Rührei-mix, IMHO bäh) und Shrimps (IMHO auch bäh). Aber dafür gibt es KEINE COOKIES! Keine Cookies!!! Welchen Sinn hat da das Leben noch?

Trotzdem kam in dieser japanischen Filiale einer amerikanischen Fast Food Kette doch ordentlich Heimatgefühl auf, schrecklich wie manipulierbar man da ist. Aber es hingen sogar die gleichen Bilder da wie in meiner Standartfiliale!

Jedenfalls konnte ich mir dann gesättigt die Bustickets kaufen, was problemlos war und mich hin und zurück 10,000 Yen (65 Euro) gekostet hat.

Donnerstagabend ging es dann los, nachdem ich mich mit Schwimmen und Sauna schön müde gemacht hatte. Habe festgestellt, dass auch japanische Bahnhofspenner mich gerne zutexten und genauso riechen wie deutsche, obwohl sie doch vermutlich billig-Sake saufen anstatt billig-Bier. Dafür hab ich mich hier weniger unwohl fühlen müssen, weil ich den Typen echt nicht verstanden habe, worauf er nach einigen Minuten des Murmelns und Sabberns auch abgezogen ist und ich mich in den Bus flüchten konnte.

Ich saß im Erdgeschoss des Busses, wie ich später feststellte, im Frauenabteil. Der Bus war so echt nett, die Sitze sind weit nach hinten klappbar, es gibt Fußstützen, eine Decke und Pantoffeln.

Ich kann ja leider außerhalb von Betten nur ganz schlecht schlafen (Gruß an Kenji!) außerdem bin ich für dieses Land einfach zu groß. Das zeigte sich vor allem in der Bustoilette, wo ich meine Beine schon arg nach unten krümmen musste, um nur ansatzweise sitzen zu können.

Außerdem hat mich diese Toilette in die erste echte Verständnis-Krise seit meiner Ankunft gestürzt, da es da zwei Knöpfe gab. Nach sorgfältiger Suche nach anderen Abzieh-Möglichkeiten (das ist in Japan gern mal was fies) musste ich mich der Tatsache stellen, dass ich nun wohl einen dieser Knöpfe würde drücken müssen. Leider war der eine gar nicht beschriftet, die Beschriftung des anderen habe ich nicht verstanden.

Ja. Da stand ich nun völlig verrenkt (die Decke war einfach 10 cm zu niedrig) und unglücklich da, und versuchte das Problem mit Logik zu lösen. Wir hatten also Knopf No. 1, der sich am nächsten zur Toilette befand. Die Aufschrift teilte mir mit, dass ich im Falle x bitte diesen Knopf drücken sollte, nur leider konnte ich Falle x leider nicht lesen, nur das Kanji für Schnell erkannte ich. Notfall oder Abzug?

Knopf No. 2 war ja wie gesagt schüchtern und verriet mir nicht über sich, war zudem in der Ecke neben der Tür. Dafür war Knopf No. 1 rot, während Knopf No. 2 in freundlichem gelb daherkam, was auch schlussendlich den Ausschlag für ihn gab. Ich drücke also ängstlich, und…………… es war richtig!!! Puh

Mit einer Viertelstunde Verfrühung (Japan halt!) kamen wir dann in Shizuoka an, wo ich von Gudrun eingesammelt und zum Wohnheim geleitet wurde. Erster Eindruck von Shizuoka: Vieeeeeel schönere Kanaldeckel! Ansonsten nicht viel anders als „zuhause“, nur eben etwas kleiner.

Freitag war ich dann doch noch sehr müde, deswegen haben wir nicht viel gemacht, sind nur was rumgelaufen, haben wieder bei Subway gegessen (Das Roastbeef ist hier echt fett, meine Güte!) und die dortigen Import-Länden abgeklappert auf der Suche nach meinen Lieblingsschokoladen.

Später haben wir dann im Wohnheim gekocht und einen Film geschaut. Natürlich war der Film unterbrochen von unzähligen „Ach, DAS muss ich Dir noch unbedingt erzählen!“, sodass dafür locker der ganze Abend draufging.

Samstagmorgen sind wir (nachdem wir uns zum Aufstehen durchgerungen hatten ;-) ) dann ins Shizuoka Wissenschafts-Kindermuseum gegangen, was einfach nur total geil war!

Gut, wir sind zwar schön länger keine Kinder mehr aber…………. egal. ^^

So konnte man durch Dunkellabyrinthe kriechen, während die Leute draußen lästern können, wie blöd man dabei ausschaut, mit beweglichen Ventilatoren Styroporbälle durch die Luft fliegen lassen, Richtmikrophone testen, virtualreality Spiele spielen, eine Stein-auf-Wasser-hüpf-Maschine bedienen und noch viel mehr.

Mein Highlight war es, in einem riesigen Hamsterrad zu rennen, um Strom zu produzieren, wobei ich als eine der wenigen genug Strom gemacht habe, um ein Foto von mir machen zu lassen, dass ich dann als Andenken mit dem Spruch „Geschafft! Du konntest ganz toll viel Strom produzieren!“ übbereicht bekam. Ich fand, dafür hat sich die ganze Quälerei im Fitnessstudion gelohnt, auch wenn Gudrun sehr zu recht meinte, ich sähe auf dem Bild aus als würde ich kotzen. ;-)

Das hätte ich auch später fast, als ich mich in ein Ding begab, dass sich mit mir ganz schnell drehte, worauf ich erst mal einige Minuten völlig kirre war. Trotzdem toll. Ähnlich war eine Aufgabe, wo wir einen Helm aufgesetzt bekamen, mit dem man alles verkehrt herum sah, worauf wir dann verschiedene Aufgaben erfüllen mussten. Ist doch erstaunlich, wie schwer das ist, wenn die Welt plötzlich Kopf steht…

Dann sind wir ins Wohnheim zurück, wo Christian schon auf uns wartete, der ja letztes Jahr in Shizuoka war und jetzt hier seine Freundin besucht.

Da dies erst unser 3 Treffen in 1,5 Jahren war, gab es natürlich ein großes Hallo und in den nächsten Stunden viel zu erzählen. Zudem Gudrun & ich völlig begeistert von der neuen Mecklenburg-Vorpommern-2-Euro-Münze waren, die Christian uns unter die staunenden Augen hielt, aber er hat sie uns nicht geschenkt, der Blödian. ;-)

Jedenfalls beschlossen wir, unser Treffen am Abend fortzusetzen, nachdem Christian und ich uns was ausgeruht hatten. Christian, weil er Jetlag hatte und ich…………. weil ich halt schwächlich bin. *Rolleyes*

Jedenfalls verbrachten wir dann einen extrem japanischen Abend zusammen, indem wir zuerst in eine Spielhalle ingen, wo Christian seine Meisterschaft im Kuscheltiere-für-die-Freundin-aus-Automaten-angeln bewies, ich hab immerhin in Tekken 5 einer Menge Leute fiese Schmerzen beschert. (Wobei einer meiner Gegner bei exakter Betrachtung ein Känguru war)

Sehr lustig, hat mich nur ne Menge Kohle gekostet, ich hab mich bei so was ja schlecht unter Kontrolle….. ^^

Dann haben wir noch sogenannte Purikura (jap. Wortgemisch für printo kurabu = print club) Bildchen gemacht. Dabei zwängt man sich in eine Kabine, macht möglichst abartige Grimassen oder sonstige lustige Aktionen und bekommt dann Bilder, die so derbe weichgezeichnet sind, dass echt jeder gut aussieht, und die man dann noch mit unendlichen Bildchen am Computer verschönern kann, bevor man sie dann als Andenken ausdrucken kann. Eigentlich echt nett, selbst mich Fotoscheue hat es begeistert.

Danach sind wir dann noch in eine japanische Kneipe (Izakaya) gegangen, wo es für 2000 Yen (ca 13 Euro) einerseits nomihodai (all you can drink) gab und pro Person noch 3 kleine Gerichte. Da ich ja nicht trinke, hat mir das nomihodai nicht so viel gebracht, dafür war das Essen klasse. Jeder bekommt eine kleine Schüssel, die Gerichte werden dann in die Mitte gestellt und geteilt. Da wir zu sechst waren und damit 18 Gerichte bestellen konnten, gab es also: Pommes, 3 Sorten Fisch, 2 Sorten yakitori, Nudelsuppe, frittierte Schrimps, Salat, irgendwelches sehr leckeres vegetarisches Zeug aus Korea, Knoblauchpizza mit unendlich viel Käse, und noch irgendwas, das ich vergessen habe. ^^

Die anderen haben sich am Pflauben- und Pfirsichwein gütlich getan, ich hab mich zumindest vollgefressen.

Dann mussten wir uns leider von Christian schon wieder verabschieden und sind ins Wohnheim zurückgewankt.

Nachdem Gudrun ihren Wecker am nächsten morgen mehrfach beherzt ausgehauen hatte, haben wir uns dann doch aus den Federn gequält und uns auf nach Nihondaira gemacht.

Das ist ein Aussichtpunkt oben auf einem Berg, von wo man die Städte Shizuoka und Shimizu, sowie das meer und den Fuji sehen kann. Letzteres müsste eher „könnte“ heissen, da sich Fuji-san das ganze WE vor mir hinter einer Wand aus Diesigkeit versteckt hat.

Man kann eben nicht alles haben, und ich will da im Sommer eh rauf, denn ja, DAS SIND WIR MILA UND TSUTOMU SCHULDIG!!!

Insgesamt war aber tolles Wetter und die Aussicht einfach berauschend, vor allem von einem Punkt aus, den man mit einer (leider recht teuren) Seilbahn erreichen kann, was sich aber definitiv lohnt.

Leider war mir anfangs recht schlecht, da wir da erst mal mit dem Bus lange hoch kurven mussten, was mein Magen blöd fand. Natürlich gab es dann da oben nichts zu essen, zumindest nichts bezahlbares, sodass ich mich wie immer mit Macadamianüssen aufpäppeln musste.

Nach einigen Stunden sind wir dann zurückgefahren, ich hab im Bus gepennt und Gudrun anschließend zu einer weiteren Runde Subway überredet. ;-)

Bei der Rückkehr ins Wohnheim war Anna auch wieder aus Kyoto (wir hatten quasi getauscht) zurück, also großes Hallo zweiter Teil.

Wir haben dann noch in der Küche gegessen und geratscht, wobei ich Anna sowohl Nudeln als auch heimat-schockie abluchsen konnte, vielen Dank noch mal! ;-)

Leider ging mein Bus zurück schon um 10, und wir mussten noch hinlatschen, so war das alles natürlich viel zu kurz.

Dann gab es also großes Verabschieden, was weniger Spass macht als großes Hallo…

Habe auf der Rückfahrt an exakt dem gleichen Platz gesessen und wurde wieder problemlos nach Kyoto zurückgekarrt, wo ich um schreckliche 4:50 morgens ankam.

Es war also ein rundum toller Ausflug und ich freue mich schon auf’s nächste Mal!!!!

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