kyoto-protokoll

One Year in Kyôto

Ausflug nach Himeji und Kotohira

Filed under: Reiseberichte, Himmelhochjauchzend — 28 November, 2006 @ 4:43 am

Manchmal gibt es Tage, die sind toll. Wesentlich öfter gibt es Tage, die sind scheiße. Und ganz selten gibt es Tage, die so toll sind, dass sie toll bleiben, auch wenn ne Menge passiert, dass jeden normalen Tag gründlichst verderben würde.
Freitag und Samstag fielen definitiv in die letzte Kategorie. Da habe ich, oder besser fast alle Studenten von KUINEP (plus Margi, einer super lieben general-exchange Studentin aus den USA) einen Ausflug gemacht, der von unserer Uni organisiert und bezahlt wurde.
Los ging es am Freitag morgen um 7:50 und da ich erst um 7:00 aufgewacht bin, war das ja schon ein wenig stressig, zumal ich noch aufräumen musste, da mal wieder jemand in mein Zimmer wollte, diesmal die Inet Firma. Außerdem war bei meinem linken Dr. Martens Stiefel der Reißverschluss kaputt und so musste ich den Stiefel kunstvoll mit den Schnürsenkeln an meinem Bein festbinden, was meine Laune nicht verbessert hat.
Versorgt mit Macadamianuss in Schokolade Packung Eins kam ich dann doch noch pünktlich zum Treffpunkt und erhielt direkt den Verlaufsplan inklusive der Zimmerliste. Denn man hatte uns selbstverständlich nicht die Entscheidung überlassen, mit wem wir uns ein Zimmer teilen wollen, sondern einfach die Namensliste nach Ländern alphabetisch sortiert und dann die Zimmer zugeteilt. So landete ich in einem rein deutschen Mädchenzimmer mit Regina, Désirée und Annette, die ich zwar alle sehr mag, aber mit denen ich natürlich allen schon recht viel geredet habe, was ich von so manch anderem nicht sagen kann. Wenn schon Zuteilung, hätte ich nach Namen besser gefunden, vielleicht hätten sich da ganz neue Freundschaften ergeben.
Jedenfalls hieß es dann erst mal 2,5 Stunden Busfahrt, wo auch direkt Maleur Nr. 2 geschah. Ich wollte noch etwas schlafen und nahm drum meine Brille ab und zack! hatte ich zwei Teile in der Hand, denn eine Schraube hatte sich und damit ein Glas vom Nasensteg gelöst. Trotz intensiver Suche von Margi und mir blieb die winzige Schraube verschollen und ich aufgeschmissen. Zwar konnte ich die Brille noch ineinander stecken, aber bei jedem Auf- und Absetzen zerfiel die ganze Geschichte wieder, und da mein Hauptanliegen bei den Besichtigungen ja das Fotografieren war, bedeutete das eine Menge Auf- und Absetzen….
Gegen Mittag kamen wir dann bei der Festung Himeji an, die zu den schönsten Bauwerken Japans zählt, komplett aus Holz besteht und trotzdem als uneinnehmbar gilt.
Dort erwartete uns eine englischsprachige Führung, die wohl sehr gut gewesen ist, leider habe ich davon recht wenig mitbekommen, da ich damit beschäftigt war, die Burg aus jedem erdenklichen Winkel zu fotografieren, mit roten Bäumen, grünen Bäumen, Kirschblüten, nur mit Himmel, hier ein Detail, da ein Panoramablick…
Gut, während einem Foto musste ich meine Kamera von meinem wunderbaren Stativ nehmen und unbemerkt fiel es um und zack! brachen wichtige Teile. Wie gesagt, war eigentlich einfach nicht mein Tag.
Finde aber, es hat sich gelohnt, und die Geschichte der Burg lese ich dann irgendwann mal… * hüstel*
Danach gab es Mittagessen in einer Raststätte, wo ich mich für Curryreis und Macadamianuss Packung 2 entschied. Nach einer weiteren Stunde (oder so…) erreichten und überfuhren wir dann die „Große Naruto-Brücke“, die ihrem Namen alle Ehre macht und weitere tolle Motive bot. Dies fand auch ein japanische Brautpaar, die vor dieser Kulisse posierten, was Wakabayashi-sensei und ich fasziniert vom Inneren des Brückenmuseums beobachteten, da das Kleid der Braut wirklich bemerkenswert hässlich war. Leider mussten wir dann los, und erreichten kurze Zeit später unser Hotel im Ort Kotohira, ein traditionelles japanisches Ryokan, mit Tatamiräumen und Futons.
Hier folgt ein dickes Lob auf unsere Betreuer, denen ich von meiner kaputten Brille erzählt hatte, worauf sie sofort im Hotel angerufen haben, das Hotel einen Optiker rausgesucht und angerufen hat, meine Dozenten zurückgerufen hat, die mir das mitteilten und mich direkt nach unserer Ankunft zum selbigen Optiker begleitet haben. Das ist mal Service.
Brille wurde also professionell in langwieriger Arbeit repariert, da keine passende Schraube gefunden wurde. 2 Stunden später war sie wieder hin, aber Milo hat sie mit ihrem Taschenmesserschraubenzieher repariert, seitdem hält sie. Seltsam, aber toll.
Das Abendessen war dann auch sehr japanisch, denn jeder bekam in einem riesigen Raum einen eigenen kleinen Tisch zum davor Niederknien, mit allerlei darauf und einiges wurde sogar live auf dem Tisch gekocht. Leider schmeckte wirklich alles davon nach Fisch oder war sonst irgendwie nicht mein Fall, sodass ich mich mit den dicken Nudel, japanisch Udon, begnügt habe. Als die Anderen aber später loszogen um sich Alkohol zu kaufen, bin ich mitgekommen und erstand Wasser und Macadamianuss Packung Nr. 3. Nein, ich habe kein Suchtproblem.
Nach dem Abendessen habe ich mit einigen anderen Mädels die Gelegenheit wahrgenommen, das hoteleigene traditionelle Bad auf dem Dach zu nutzen, wo man dann nackt in der Gruppe reinhüpft, unterm Sternenhimmel mit Blick auf die nächtliche Stadt. Ersteres war leicht gewöhnungsbedürftig, aber insgesamt war es toll und ein echtes Erlebnis. Und gemeinsam nackt leiden (das Wasser war ja SO heiß), schweißt einen irgendwie zusammen… ;-)
Nach einer kurzen Nacht, bei der mir mein Rücken das Schlafen auf dem Boden sehr übel genommen hat, hieß es dann grausam früh aufstehen, denn um 7:30 gab es schon Frühstück, und wenn 4 Mädels sich ein Bad teilen müssen….
Beim Frühstück erwarteten mich dann weitere Dinge, die ich bei aller Liebe zu Japan einfach nicht mochte, sodass ich mich mit 2 Schüsseln Reis begnügen musste. (Hatte aber noch Macadamianüsse übrig…..)
Um 9:00 begann dann der Aufstieg, denn bis zum final zu besichtigenden Tempel hieß es einen Berg via 1368 Stufen zu erklimmen. Ja, da war ich dann zwischenzeitlich richtig schön fertig, hab aber noch viel mehr Fotos gemacht. Und als wir dann endlich, endlich oben waren, war der Blick schon extrem toll.
Leider musste man dann auch wieder runter und als auch das geschafft war, erwartete uns ein Besuch der Udon-Schule, wo wir dann selber Nudeln gemacht haben, was sehr lustig war. Außerdem konnte man sich schon die ganze Zeit darauf freuen, die dann nachher auch zu essen. So erstürmten wir dann freudig den Speisesaal, wo unsere Nudeln auf uns warten sollten. Das taten sie auch, nur waren sie ………….. kalt. Und ich meine hier nicht kalt im sinne von „nicht warm sondern Zimmertemperatur“, sondern KALT. In Eiswasser eingelegt kalt. Und das auch noch mit kalten pürierten Zwiebeln dazu..
Philipp machte nach längerem lustlosen Stochern seinem Status als angehender Jurist alle Ehre und fasste unsere Lage präzise zusammen: „Man, wasn das fürn Scheiß? Ich will Krustenbraten mit Spätzle!!!“ Daraufhin versackten wir in Träumereien von der deutschen Küche, denn auch wenn ich keine Probleme habe, mich hier zu versorgen, so langsam möchte man doch mal wieder was ordentliches… Ich meine, mein Highlight ist mal Reis mit fettloser Sauce und ein bisschen gebratenem Hühnchen (von der Schokolade mal abgesehen), da träumt man schon mal von den berühmten Kartoffeln mit Sauce… und Fleisch… ach ja…. *seufz*
Wir machten uns dann frühzeitig vom Acker, um auf verzweifelte Nahrungssuche zu gehen, aber in diesem vermaledeiten Kaff gab es zwar Berge von Souveniers, aber nichts anständiges zu essen!!! (Und dabei hätte ich so gern Macadamianuss Packung 4 gehabt.. *schluchtz*)
So mussten wir hungrig in den Bus krabbeln, wo einfach alle ins Erschöpfungskoma fielen, um ihren Hunger zu vergessen.
Irgendwann wurden wir dann geweckt, um uns noch eine Brücke anzusehen, die ich bis gestern einfach für die andere Seite der Brücke vom Vortag hielt, aber Jan sagt, das war eine andere. Egal, sahen total gleich aus, aber die war über einem Gezeitenstrudel erreichten, und man konnte auf dem unteren Stockwerk der Brücke bis zur Mitte laufen und auf die brodelnde See herabschauen. Für Höhenphobiker der absolute Alptraum, aber ich fand es cool.
So gegen 20:00 waren wir dann endlich wieder zuhause und ich konnte schlafen, um die nächsten 2 Tage gemütlich in Photoshop zu versacken und so habe ich aus den ca. 250 Fotos, die ich an den beiden Tagen gemacht hatte, 80 gute auszuwählen, die man mal wieder HIER runterladen kann… Die Tradition der Größenverdopplung meiner Präsentationen folgend, ist die jetzt 14 MB groß…. ;-)

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