kyoto-protokoll

One Year in Kyôto

Noch 7 Tage…

Filed under: Einleitung, Organisation — 23 September, 2006 @ 5:28 pm

So. Eigentlich wollte ich diesen Post ja erst schreiben, wenn ich auch den Punkt “Skype Pro beantragen” erledigt hätte, aber nach ewigen Schritten weigert sich die Seite einfach weiterzumachen, und das kleine Ladesymbol in meinem Tab dreht und dreht und dreht sich, bis ich es roh gestoppt habe, damit es nicht kotzt.

Jedenfalls war ich artig & gestresst die letzten Tage, da ich doch fast alles durch habe, was ich noch tun musste. D.h. ich war eine Brille kaufen und habe mich Dank Graves tatkräftiger Unterstützung gegen die Modelle gewehrt, die der Fielmannmensch mir andrehen wollte, da er ganz offensichtlich ein Vertreter des neuen “Ich trage ein viertel Pfund Glasbaustein in schrecklichen Farben in meinem Gesicht” Trends war, was unserer Philosophie “Ich bin ein eitles Mädchen, dass es hasst, eine blöde Brille zu tragen und drum eine ganz doll unauffällige will” natürlich konträr entgegenstand.

Dann war ich noch bei der Citibank. Ja. Irgendwie wusste wohl jeder, dass das ein Verein von aggressiven Marktschreiern in Nadelstreifen ist, nur leider hat mir das niemand gesagt, BEVOR ich da war. Ich hingegen brauche dieses Konto unbedingt, weil die eine Filiale in Kyôto haben und meine Eltern so Auslandsüberweisungsgebühren sparen.

Also bin ich da schön hingetrabt, ganz stolz in meinem neuen “Sasa tut so, als wäre sie konservativ & seriös” Nadelstreifenüberknielangrock, und hatte sogar einen Termin bei der Bank, ich ganz alleine! Ja… hätte ich doch meine Mama mitgenommen -.-.

So war ich doch verunsichert, als der Citibankmensch, der zudem viel bessere Wimpertusche zu benutzen schien als ich, voll des (gespielten? Haben die das als Fach während der Ausbildung?) Entsetzens quasi zusammenbrach, als ich auf die Fragen “Haben Sie ein Sparkonto / eine Rentenversicherung / eine Berufunfähigkeitsversicherung????” jedes Mal nur mit einem unsicheren “Ähm….. nee, ich hab eher……… Eltern…..” antworten konnte.

Und nachdem ich ihm dann lang und breit erläutert hätte, dass das wenige Geld, dass ich im Monat zur Verfügung hätte, in wirklich akut existenzielle Dinge investiert werden müsste (Übersetzung sasa -> Deutsch: Schokolade & Kino) und ich deshalb leider kein Geld für längerfristige Planung hätte, obwohl ich ja schon in vielen Fachmagazinen (Übersetzung 2:Freundin & Brigitte) gelesen hätte, wie wichtig rechtzeitige Planung sei, hat er mir trotzdem direkt was zum Unterschreiben vorgelegt, was mich 50 Euro im Monat gekostet hätte! Das nennt man dann wohl Individuelle Abzocke. Jedenfalls habe ich mich dann mit Händen und Füßen gewehrt, da ich erst Mal in Ruhe darüber nachdenken wollte (zu meinem Papa heim rennen und fragen, ob das stimmt, was der böse Mann da gesagt hat) und bin dann irgendwie noch entkommen. Erstaunlicher Weise hat mir die Citibank, trotz meinen Erläuterungen, dass ich a) chronisch pleite bin und b) mich demnächst nach Fernost absetze, einen Dispo von 1000 Euro gegeben, was ich gar nicht wollte, weil ich grade noch genug Selbsterkenntnis besitze, um zu wissen, dass man mir möglichst wenig Gelegenheiten geben sollte, mir selbst zu schaden.

Immerhin hatten sie ewig viele Yen auf Lager, sodass ich ein paar Tage später stolz 80 000 Yen (ca 550 Euro) in Empfang nehmen konnte, um einen kurzen, panischen Moment zu erleben, indem ich dachte, dass die Scheine einfach zu groß für mein Portemonaie (meine Schwester merkt hiermit öffentlich an, dass laut ihrer Meinung als studierte Germanistin Portmonee aus fachlicher Perspektive einfach scheisse und barbarisch aussieht!) sind. Ich hoffe, es gibt keine 100 000 Yen Scheine, wobei, mehr als 50er krieg ich in .de auch nie zu sehen, dazu bin ich irgendwie zu arm.

Donnerstag war ich dann zum allerletzten Mal beim Zahnarzt, und weiß gar nicht, wie ich das Japan-Jahr ohne meinen wöchentlichen Zahnarzttermin, der mir diese Ferien ja zur Gewohnheit wurde, durchstehen soll… ;-) Danach fuhr ich dann mit Grave nach Düsseldorf, um endlich unsere Visa abzuholen. Zum Glück kennen wir das Konsulat ja von diversen Trips und brachen so auch nicht vor Schock zusammen, als wir nach dem Vorgeschriebenen Anmelden durch Klingeln mit einem Schwall Japanisch begrüßt wurden, wir wissen ja ganz genau, dass die eigentlich auch perfekt Deutsch können.

Nach der Klärung der obligatorischen “Wer sieht auf seinem Visums Foto beschissener aus?” Frage sassen wir noch gemütlich auf den Stufen des Konsulates in der Sonne (das erste Mal in Düsseldorf bei schönem Wetter!), bis uns ein Wachposten verscheuchte.

Dann bummelten wir noch ein bisschen, aßen in dem Bento Laden, wo wir immer essen und fuhren dann zum Flughafen Düsseldorf, um Christian abzuholen, der nun als Letzter der 2006/07 Bonner in Japan Generation heimkehrte.

Während wir warteten (ja.. wir haben gaaanz alleine herausgefunden, wo der wohl ankommt ;) ) beobachteten wir zwei Japaner, die eine andere Gruppe Japaner abholten, wobei der eine Abholjapaner tatsächlich zuerst den gepäckschiebenden Assistenten begrüßte, worauf der eigentliche Bossjapaner anfing zu bellen und der Abholjapaner seine Rückenmuskulatur durch exzessives Verbeugen stärkte.

Insgesamt ist es echt lustig, auf Flughäfen rumzuhängen und Leute zu beobachten, zumal wir ja relativ stressfrei warten. So haben wir uns auch zum ersten Mal den Memorial Room des Düsseldorfer Flughafens angesehen, der den Opfern der Brandkatastrophe von 1996 gewidmet ist. Aus mir unverständlichen Gründen versuchen sich in dem ausgelegten Gästebuch (neben sehr schönen Kommentaren) Christen und Moslems in der Frage, wer denn nun den mächtigeren Gott hat zu übertrumpfen, obwohl diese ganze Sache nun schlicht eine Mischung aus Unfall und menschlichem Versagen war und mit Religion nun gar nichts zu tun hatte.

Christian hat sich jedenfalls über unser kleines Überraschungsempfangskommando gefreut und uns gleich mit Yen Münzen en mass belohnt, damit wir was zum in Automaten schmeissen haben, wenn wir ankommen. Nur sein Koffer hat mich erschreckt, der war so klein….. aber Jungs brauchen einfach nicht so viel, hab ich mir dann eingeredet…

Freitag hab ich dann das Projekt “Offizielles Probepacken” gestartet. Nachdem ich hemmungslos alles in meinen gigantischen neuen Trolley bzw. in den Umzugskarton, den ich mir noch selbst schicke, gestopft hatte, zeigte mir die Waage (immer sagen Waagen einem böse Dinge..), dass der Koffer schon 20 kg wiegt.. und es sind noch gar keine Medikamente und nur die Hälfte meiner Oberteile drin… *seufz*

Immerhin wiegt der Karton bisher erst 6 kg und ich bin entschlossen, auch da die 20 kg auszureizen.. dh vllt kann ich noch ein paar Lieblingsbücher mitnehmen…

Dienstag feiere ich nun nach langem Wirren endlich meine Abschiedsparty und tatsächlich scheinen da endlich alle zu können! *freu*

Bericht folgt!

Aktueller Panikindex: 7/10

3 Comments »

  1. Catie:

    kind, alles wird juut! *lach* schreib weiter viel, freu mich auf deine geschichten - und wir reden dann nächstes Jahr drüber *lol*…ansonsten, falls dir mal nach quatschen iss - skypen wir ne runde! yoroshiku und itterrashaiiiiii

  2. studiosus:

    ich zitiere sasa: “Artig” “nadelstreifenüberknielangrock” “konservativ” “seriös” “betet!” … sasasasasasa…. ist das noch die sasa die ich kenne??? ich bin mir noch nicht sicher ob ich Angst haben soll daß Du hohes Fieber hast, oder ob du änigmatischer Weise sitt- und tugendreich geworden bist….und somit von mir gelernt hättest :P

    Nur weiter so :D

    lg

    studiosus

  3. Verena:

    Du kannst wunderbar schreiben! Hast bestimmt viel um die Ohren, aber schreib bald mal wieder - das Semester beginnt bald und da brauch man zwischendurch mal was zum Lachen!

    Hoffe, du bist heil angekommen!

    Lg
    Verena

    PS: ALLE versuchen einem eine Berufsunfähigkeits- und ne Rentenversicherung anzudrehen!!! Vielleicht sollte man das dreiste Anwerben von 18 - 28-jährigen gesetzlich verbieten lassen ;-) )

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Leave a comment

Line and paragraph breaks automatic, e-mail address never displayed, HTML allowed: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>

(required)

(required)